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Doris Haug

Doris Haug

Herbert Kihm

Miss Doris - die Mutter und Hüterin des French Cancan im Moulin Rouge

Ha noi, werden jetzt einige sagen, was macht diese Dame auf der Seite wo sich biedere Schwaben, Dichter, Tüftler und Erfinder sich tummeln?
No nit hudla, mr ka nit schnell gnuag langsam do:

 

Doris Haug, 1927 in Stuttgart geboren war selbst Tänzerin. Ihre schwäbischen Eltern waren gegen diese Karriere, so nahm sie heimlich Ballettunterricht. 1946 ging sie zu einer Ballettschule in Stuttgart, wechselte dann zum Neuen Theater in Karlsruhe, dann zur dortigen Oper, schließlich an die Wiesbadener Staatsoper.

Mitte der 50er Jahre begann dann das Pariser Abenteuer. Mit einer Freundin trampte sie im „Deux CV" nach Paris. Eines der ersten Engagements war im Nouvelle Eve. Das war typisch pariserisch, da tanzten die besten Girls und Christian Dior schneiderte die Kostüme. Im November 1957 sprach der Direktor des Moulin Rouge vor und stellte sie sofort ein. Das Moulin Rouge vertraute ihr dann 43 Jahre die Ballettleitung an. Sie gründete und leitete die Ballettgruppe „Doriss Girls", die Hauptattraktion des legendären Etablissements. Mit den Tänzerinnen brachte sie 1961 die „Cancan-Show" auf die Bühne, die erheblich zum Ruhm des Hauses beitrug. In dieser Show traten u.a. Joséphine Baker, Maurice Chevalier oder Charles Aznavour auf. Das 1889 gegründete „Moulin-Rouge" war das Symbol für das verruchte und frivole Nachtleben von Paris und ist noch heute eines der bedeutendsten Wahrzeichen der Metropole.

Ohne Doris Haug wäre das Moulin Rouge nicht das, was es heute darstellt: Der Tempel einer spritzigen, typisch pariserischen Schau. Nur das Moulin Rouge zeigt den echten Cancan, sagt Miss Doris, nicht das Lido und nicht die Folies Bergères.

Mit „schwäbisch-deutscher" Akribie aber auch Liebe führte sie ihre Truppe. Sie erwartete von den Bewerberinnen eine Mindestgröße von 1,75 Meter, physische Hochform, die schriftliche Verpflichtung nicht abzunehmen noch Fett anzusetzen, noch die Haarfarbe zu ändern und täglich die Proben zu besuchen. Die Tänzerinnen ernähren sich wie Tour-de-France-Teilnehmer um das Programm durchzustehen.

Den Eltern schwindelte sie vor, sie arbeite in einem Operettentheater. „Weil ich mich anfangs schämte in einer Oben-ohne-Truppe zu sein". Aber dann schlug die Stunde der Wahrheit: „Meine Eltern kamen zu Besuch nach Paris und nahmen dabei an einer Vorstellung teil. Zuerst waren die Tänzerinnen angezogen, dann immer weniger. Meine Eltern wurden immer kleiner." Von da an kamen die Eltern eisern jede Weihnacht, mit einem schwäbischen Christstollen im Gepäck und erzählten zu Hause weiterhin, dass die Tochter beim Ballett sei.

Zu ihrem Publikum gehörten die Queen und andere Vertreter des Königshauses, Präsidenten der Republik, Adelige jeder Couleur, Playboys und Millionen von Paris-Touristen.


Doris Haug starb mit 87 Jahren im Departement Eure-et-Loir, südöstlich von Paris.

Den berühmtesten Cancan schrieb übrigens Jaques Offenbach für seine Operette (opéra-bouffe) „Orpheus in der Unterwelt" (1858). (www.youtube.com/watch?v=4Diu2N8TGKA)

 

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- Vorschaubild: Moulin Rouge-Poster „Cancan" von Jules Chéret (1890) gemeinfrei.
- Moulin Rouge, Fotograf: Angela Ender, CC-BY-SA 2.5, via Wikpedia
- Moulin Rouge, la Goulue, Plakat von Henri de Toulouse-Lautrec (1891) , gemeinfrei