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Heft 2

B-Z! Das ist nett! (Teil 1)

In diesem Arbeitsheft werden alle Konsonanten eingeführt, die sich beim Sprechen gut dehnen lassen. Dazu kommen noch einige Vokale (Zwie- und Umlaute).

Schloss Solitude

Schloss Solitude

Florian Russi

Hübsches Schloss in bester Lage

Auf einem Höhenrücken im Westen von Stuttgart liegt ein hübsches Schloss, das den Namen Solitude (frz. „Einsamkeit") trägt. Sein Bauherr war Herzog Karl bzw. Carl Eugen von Württemberg. Er war ein Mann, der wegen seiner Strenge gefürchtet war. Wegen seiner despotischen Herrschaftsweise flüchtete Friedrich Schiller 1782 aus Württemberg. Im Alter soll der Fürst dann aber zu einem fürsorglichen Landesvater geworden sein.

Die Planung und Bauleitung für das Schloss oblag den herzöglichen Baumeistern Philippe de La Guêpière und Johann Friedrich Weyking. Ursprünglich sollte es nur ein Jagdschlösschen werden. Doch Karl Eugen fand so großen Gefallen an dem Anwesen und seiner exponierten Lage, dass er es zu einer großen Schlossanlage erweitern ließ. Von außen ist es ein Rokokobau, das Innere ist vorzugsweise in klassischen Stilformen gestaltet. Vom Schloss Solitude aus ließ Carl Eugen in gerader Linie eine 13 km lange Verbindungsstraße zum Ludwigsburger Residenzschloss anlegen.

Kavaliershäuser
Kavaliershäuser

Die Erstellung des Schlosses dauerte von 1763 bis 1769 und überforderte die Finanzkraft des Herzogtums Württemberg. Das führte bei den württembergischen Landeständen, der Vertretung von Geistlichkeit (Kirche) und Bürgertum, zu solch heftigem Widerstand, dass Carl Eugen seine Residenz nach Ludwigsburg verlegte. Im Schloss Solitude ließ er die von ihm als Ausbildungsstätte für die Söhne aus angesehenen Familien 1770 gegründete Karlsschule unterbringen. Diese Schule, die wegen ihres Drills und autoritärer Erziehungsmethoden bei den Schülern gefürchtet war, besuchte auch der junge Friedrich Schiller. 1775 wurde sie nach Stuttgart verlegt. Im selben Jahr wurde Schillers Vater zum verantwortlichen Gärtner für die Hofanlagen um das Solitude-Schloss bestimmt.

Für das Schloss selbst fand sich kaum noch eine Verwendung. Es verwaiste und verwahrloste, bis es von 1972-1983 auf Kosten der Bundesrepublik Deutschland vor dem endgültigen Verfall gerettet und saniert wurde. Heute beherbergt es die „Akademie Schloss Solitude", welche die Aufgabe hat, künstlerischen Nachwuchs zu fördern, sowie das „Graevenitz-Museum", in dem Werke des Bildhauers Fritz von Graevenitz (1892-1959) ausgestellt sind. Die ehemaligen Kavaliershäuser vor dem Schloss werden zum Teil von Stipendiaten bewohnt.

 

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Fotos: Florian Russi