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Gefangen im Netz der Dunkelmänner

Berndt Seite, Annemarie Seite und Sibylle Seite

Berndt Seite und seine Familie möchten sich die »Stasi« von der Seele schreiben, um nicht ein Leben lang mit der DDR-Diktatur konfrontiert zu bleiben. Der Text soll einen Beitrag zur Aufarbeitung der SED-Diktatur leisten. 

Theodor Belthle, ein schwäbischer Tüftler oder wie es zum „Zisch“ auf der Zunge kam

Theodor Belthle, ein schwäbischer Tüftler oder wie es zum „Zisch“ auf der Zunge kam

Herbert Kihm

Als Student in Tübingen wohnte ich in der dortigen Belthlestraße, die unmittelbar an die Altstadt grenzt. Auf der Suche nach dem Namensgeber, stieß ich auch auf Theodor Belthle, aus Stuttgart Bad-Cannstadt, der allerdings nicht Namensgeber war.

Sicher sind ihnen schwäbische Tüftler und Erfinder wie Robert Bosch, Carl Benz, Gottlieb Daimler oder Ferdinand Porsche geläufig, kennen sie aber auch Theodor Belthle, den Erfinder des Brausepulvers für alle Bevölkerungsschichten ?

Nein, dann lesen Sie weiter.1925 gründeten Theodor Beltle aus Stuttgart-Bad Cannstadt und sein Schwager Robert Friedel die Robert Friedel GmbH (Frigeo) in der Kegelenstraße 5, die Friedel-Brause als „Brauselimonaden-Pulver für alle Bevölkerungsschichten“ herstellte. Bei seinen Experimenten mit Natron und Weinsäure hatte er festgestellt, dass sich bei der Reaktion Kohlensäure entwickelt wenn man Wasser dazu goss: Chem. Reaktion: (NaHCO3+C4H6O6 -> C4H5O6Na+CO2+H2O).

Da Belthle aber nicht nur schwäbischer Tüftler, sondern auch ein gewiefter, schwäbischer Kaufmann war (eine bei Schwaben durchaus häufiger zu findende Kombination), begriff er rasch, dass sich damit „ein herrlich prickelndes Volksgetränk“ verkaufen ließ. Anfangs kam die Brause in dreieckigen Tütchen in den Handel, in denen sich zwei getrennte Tabletten mit Natron und Weinsäure befanden, die zusammen in Wasser gegeben werden mussten. Als Geschmacksvarianten wurden nur Orange und Zitrone angeboten. Ein Tütchen kostete damals ein, zwei oder fünf Pfennige,je nach Größe.

Ab 1930 lächelte dann ein gewitzter Matrose von den Tüten mit dem Brausepulver, das dann zwei Jahre später „Frigeo-Ahoj-Brause“ hieß. In den 50er Jahren wurde die Produktpalette dann mit prickelnden Bonbons, Stangen und Knusper-Puffreis erweitert.

Als Theoor Belthle 1949 stirbt, übernehmen seine Söhne Robert und Theodor jr. die Firma, die heute in Remshalden-Geradstetten (20 km nordöstlich von Stuttgart) produziert. Die Firma gehörte heute zu dem Süßwarenhersteller Katjes.

War und ist das Pulver auch heute noch in erster Linie ein Kindergetränk, hat es als „shot“ inzwischen auch Zugang bei Erwachsenen gefunden. Zur Erklärung: Was früher unter den Alkoholika als „Kurzer“ bezeichnet wurde, ist im Zeitalter der Anglizismen zum „Shot“ geworden.

Nun zum Rezept des Wodka Ahoj:

Man streut das Pulver auf die Zunge, gießt ein Glas Wodka hinterher und mixt das Ganze durch heftiges Kopfschütteln!

Nun ja, das ist Geschmackssache, mir sind da andere Cocktails als auch deren Zubereitung lieber.

Dass das Brausepulver auch eine Rolle in einer bizarren erotischen Szene der Blechtrommel einmal spielen würde (dabei braust es im Bauchnabel), konnte sich Theodor Belthle sicherlich nicht vorstellen. Durch dieses sog. „product placement“ in dem Film, wurde das Brausepulver auch international erfolgreich.

Auch in den Harry-Potter Romanen kommt Brausepulver vor: Dort lutscht Albus Dumbledore (Dumbledore ist bekanntlich der Direktor von Hogwarts, der Gründer des Orden des Phoenix und bekämpft den furchtbaren Lord Voldemort) gerne „Sherbet lemons“,die Zitronendrops mit einer Brausepulverfüllung.

Originalzitat der beiden Professoren aus Harry Potter:

Dumbledore: "Would you care for a sherbet lemon?"

McGonagall: "A what?"

Dumbledore: "A sherbet lemon. They're a kind of Muggle sweet I'm rather fond of."

McGonagall: "No, thank you."

„Sherbet lemon“ war auch das Zugangswort, zu seinem Büro in Hogwarts

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Bildquellen:

Brausepulver/Sherbet, Silberchen, CC-BY-SA 1.2, via wikipedia commons

Jars of Kali or Sherbet powder, Photographed in Goodies traditional sweetshop, Steep Hill, Lincoln, Andy Dingley, CC-BY-SA 3.0, via wikipedia commons.